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25.07.2020, 14:24 Uhr
Besorgnis erregende Situation im Einzelhandel - mit Umfrage
Sondersitzung des Wirtschaftsausschuss am 21.07.2020
 
Kurzfristig hatten die CDU-Ausschussmitglieder Bogisch (Vorsitzender des Ausschusses), Bothe und Mateo eine Sondersitzung zur Situation um den Goslarer Einzelhandel beantragt.

Das mögliche Karstadt-Aus hat die Notwendigkeit dieses Innenstadt-Ankers auch für die weiteren Einzenlhandelsbetriebe in unserer Innenstadt aufgezeigt. Zudem kam dann die Nachricht für das Aus von real,- in der Gutenbergstr., dort wo bereits toom und auch Max Bahr mit ihren Baumärkten schließen mussten. 

Die CDU-Fraktion nahm diese Signale zum Anlass und so bat Ralph Bogisch die sachkundigen Vertreter aus Handel, Hotellerie, Gastronomie und Marketing um eine Stellungnahme und Einschätzung.

Über zwei Stunden wurde zugehört und diskutiert. Vereinbart wurde ein Workshop des Ausschusses, auch um das Zentrenkonzept zukunftsfähig zu überarbeiten.

Die CDU-Ratsfraktion hat hierzu auf dieser Homepage eine Umfrage geschaltet (siehe unten stehenden Link) und bitte Sie um Teilnahme.
Vielen Dank.



Den ausführlichen Bericht der Goslarschen Zeitung lesen Sie hier:

Gewerbegebiet an der Gutenbergstraße: Weitere Leerstände drohen

Ursprünglich hatte die Einladung zur Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses der krisenhaften Entwicklung rund um Karstadt, Real und das Gewerbegebiet Gutenbergstraße gegolten. Als Wirtschaftsförderer Dirk Becker am Dienstag den Auftakt bestritt, fasste er sich bei Karstadt kurz und knapp. Das Warenhaus bleibt nach den gelungenen Rettungsbemühungen in der Innenstadt: „Eine der besten Nachrichten, die wir zuletzt bekommen haben.“

Die Sorgen bleiben, was die Gutenbergstraße angeht. Mit den ehemaligen Baumärkten Toom und Praktiker/MaxBahr stehen riesige Immobilien leer. Real kommt – spätestens ab Februar 2021 – hinzu. Wie kam es zu den Schließungen?

Der „Zahn der Zeit“

 

Seit Ende 2019 dicht: Der Toom-Baumarkt hat laut Wirtschaftsförderer Dirk Becker den Wettbewerb gegen den Globus in der Baßgeige-West verloren.
Becker sprach von „zweigeschossigen Bauten, die heute so niemand mehr bauen oder mieten“ würde und an denen der „Zahn der Zeit“ mächtig genagt habe. Ein verfehltes Geschäftsmodell beim Praktiker, einen Wettbewerb bei Toom, den der moderne Globus-Markt in der Baßgeige-West gewonnen habe, dazu ein Trend, der von großen Märkten weg eher hin zum lokalen Einkaufen hochwertiger Produkte reiche – Becker führte einiges ins Feld, was den meisten Zuhörern nicht unbekannt war. Jetzt gelte es, die Gutenbergstraße wieder „in Ordnung zu bringen“, sonst drohe bei wegbrechenden Frequenzen womöglich eine Kettenreaktion.

 

Bei allem, was unternommen werden soll, muss aber laut Becker der „oberste Schutz“ der Innenstadt gelten. Sortimentsbeschränkungen etwa dürften nicht gelockert werden. Der bange Blick geht auf das Real-Grundstück: Dort ist nach dem (alten) Bebauungsplan großflächiger Einzelhandel ohne Einschränkungen möglich. Was hat der Eigentümer vor? Nachdem Henning Wehrmann (Bürgerliste) zu früheren Entscheidungen pro „Grüne Wiese“ noch ein wenig nachgekartet und Rüdiger Wohltmann (Linke) zum Blick nach vorn und zu gemeinsamem Handeln wie bei Karstadt gemahnt hatte, ging es um konkrete Schritte. Vorsitzender Ralph Bogisch (CDU) sah im Wirtschaftsausschuss das kompetente Gremium, das sich kümmern müsste.

Treffen und ein „Plan B“

Kein zusätzlicher Runder Tisch, aber vielleicht doch verstärkt mit weiteren Sachverständigen wie dem Braunschweiger Städtebau-Büro Ackers und Goslars Ehrenbürger Hans-Joachim Tessner? Oder mit weiteren Vertretern der Kaufmannsgilde, wie Wehrmann vorschlug? Wohltmann wiederum riet ab – auch von Tessner, weil der Unternehmer gerade an der Gutenbergstraße auch eigenes Interesse habe.

Kurzum: Der Ausschuss soll sich zum Einstieg an einem Samstagvormittag kurz nach den Sommerferien in nicht öffentlicher Runde treffen und weitere Schritte und künftige Besetzungen beraten. Das Zentrenkonzept harrt laut Becker ohnehin einer Überarbeitung. Sollte da nicht auch gleich über einen „PlanB“ nachgedacht werden, falls so hatte Norbert Schecke (CDU) es schon zu einem früheren Zeitpunkt eingeworfen, bei Karstadt irgendwann wieder Probleme auftauchten? Rückendeckung gab es von Sparkassen-Mann Marcel Schmidt. Karstadt sei zwar zweifellos ein „wichtiger Anker“ für Goslars Innenstadt. Aber man müsse auch die Frage stellen, inwieweit das Geschäftsmodell Warenhaus insgesamt zukunftsfähig sei.

Wie ist die Goslarer Wirtschaft bislang durch die Corona-Krise gekommen?

  • Sparkasse: „Kredite über 50 Millionen“

Die Unternehmen im riesigen Geschäftsgebiet der Sparkasse Hildesheim-Goslar-Peine sind nach Angaben von Marcel Schmidt, seit Jahresbeginn Regionaldirektor für Unternehmenskunden in der Region Goslar, bisher „einigermaßen gut durch die Pandemie“ gekommen. Dies gelte insbesondere für alle Firmen, die über ein tragfähiges Geschäftsmodell verfügten und schon vorher ihre Hausaufgaben gemacht hätten. Noch seien aber längst nicht alle über den Berg, zumal einige Zweige wie die Tourismusbranche mit den Komplettschließungen „Totalausfälle“ auszustehen gehabt hätten. „Eine zweite Welle wird nicht jeder verkraften“, sagte Schmidt, der für das Gesamtgebiet der Sparkasse die Zahl von 3000 Tilgungsunterbrechungen bei Krediten nannte – gewerblich und privat. In Förderprogrammen habe das Institut rund 50 Millionen Euro an Krediten vergeben. Nach einem holprigen Start habe man mit der N-Bank des Landes sehr positive Erfahrungen gemacht.

  • Wirego: „Die Lage ist sehr diffus“

Für die regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaft Wirego nahm Anja Blümel als Referentin für Wirtschaftsförderung und Gründung eine ganz ähnliche Einschätzung wie Sparkassen-Mann Marcel Schmidt vor. „Die Lage ist sehr diffus“, sagte sie und nannte eben jene Branchen, die wie der Tourismus Komplettausfälle zu überstehen gehabt hätten. Hier sei zu weiter beobachten, wie sich das Geschäft entwickele und sich die Lage wieder stabilisiere. Auf der anderen Seite hätten Handwerk und Industrie größtenteils volle Bücher gehabt und sich über die Auftragslage nicht beklagen können. Insgesamt sei die Region wohl mit einem „blauen Auge“ davongekommen, auch wenn es einige geben werde, die es nicht schafften. Demnächst stünden die ersten Überprüfungen an, an welchen Stellen es in den Hilfsprogrammen „Überzahlungen“ gegeben hat. Ihre Sorge galt zudem der Belegschaft des Real-Marktes insofern, wie den Mitarbeitern bei der Suche nach einem neuen Job am besten zu helfen sei.

  • Dehoga: „Sechs ganz schlechte Monate“

Geschlossen in der Zeit der Corona-Pandemie? Für Axel Bender greift diese Sicht nicht weit genug. Weil der Harzer Winter kein Winter war, hätten Hotels und Pensionen „sechs ganz schlechte Monate“ seit Beginn des Jahres erlebt. Der Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga nannte die Fördergelder gerade für Häuser mit mehr als 20 Mitarbeitern „einen Tropfen auf den heißen Stein“, sah die Menschen inzwischen aber „deutschlandurlaubsreif“. Bender, der in seinem Hahnenkleer „Walpurgishof“ rund 10.000 Übernachtungen stornieren musste, hofft jetzt, dass sich der Trend dieses Sommers fortsetze und der Harz Schwung für die Folgejahre aufnimmt. Im Verband wird derzeit eine Zahl von 30 Prozent an Betrieben diskutiert, die wahrscheinlich schließen müssten. Wichtig sei es schon länger, den Fachkräftemangel zu beheben. Mit den Hygieneauflagen hätte man sich arrangiert: „Jammern nutzt nichts, wir alle wollen die Zeit der Schließungen nicht wieder erleben.“

  • Pro Goslar: „Krise kommt erst noch“

Die Touristikbranche habe ein schwerer Keulenschlag getroffen, andere Zweige hätten so gut wie nichts von den Corona-Auswirkungen gespürt: Uwe Schwenke de Wall, Vorsitzender des Fördervereins „pro Goslar“, sah denn auch momentan niemanden in der Lage, „eine verlässliche Prognose für die Zukunft abzugeben“. Er bescheinigte rückblickend den Akteuren auf allen Ebenen, bisher „im Großen und Ganzen gute Arbeit geleistet zu haben“. An einigen Stellen sei vielleicht noch ein Nachjustieren nötig. Schwenke de Wall fürchtet viel eher, dass die eigentliche Krise dem Land erst noch bevorstehe, wenn die öffentlichen Haushalte aufgrund der Steuerausfälle nicht mehr so ausfielen, wie sie sich in den vergangenen fetten Jahren dargestellt hätten – Stichwort öffentliche Aufträge. Und auch wenn es sich womöglich brutal anhöre, so Schwenke de Wall, gelte auch: „Krisen sind nicht schön, gehören aber zum Leben dazu und können auch marktbereinigend wirken.“

  • GMG: „Touristen sind entspannter“

Was war das für eine frustrierende Situation, als der Lockdown den Tourismus in Goslar und dem Harz quasi auf null setzte: Die Goslar Marketing GmbH (GMG) war über Wochen eigentlich nur mit Stornierungen und Rückabwicklungen beschäftigt, erklärte die neue Chefin Marina Vetter. Seit Anfang Juli jedoch sei die Stadt wieder deutlich voller, gerade aus Dänemark reisten viele Gäste an. Die Ferienwohnungen seien die großen Gewinner, aber auch Hotels hätten mittlerweile wieder eine gute Auslastung. Es werde allerdings so kurzfristig gebucht wie nie zuvor. Schwieriger sei die Lage im Handel: Das Einkaufsverhalten habe sich noch nicht wieder normalisiert. Gerade die Einheimischen seien eher zurückhaltend. „Die Touristen sind da entspannter“, fasste Vetter ihre Eindrücke zusammen. Und über die Sommerferien hinausgeblickt? Derzeit gingen immens viele Anfragen zum Weihnachtsmarkt ein. Verlässliche Aussagen ließen sich allerdings immer noch nicht machen. (Autor: Frank Heine)


28.07.2020, 13:29 Uhr