Stadtverband der Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld
Besuchen Sie uns auf http://www.cdu-oberharz.de

DRUCK STARTEN


Neuigkeiten
09.06.2015, 10:35 Uhr
Schilderung einer beeindruckenden Tour durch das Heilige Land – von Rudolf Götz und Frank Oesterhelweg
Reise der CDU-Landtagsfraktion nach Israel und in die Palästinensischen Autonomiegebiete
42 Abgeordnete der CDU-Landtagsfraktion sowie einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren für eine Woche in Israel und in den Palästinensischen Autonomiegebieten. Mit dabei waren 2 Journalisten und je ein Vertreter der jüdischen und palästinensischen Gemeinde in Niedersachsen. Ein vielseitiges und ausgewogenes, aber auch anspruchsvolles und anstrengendes Programm prägte den Ablauf, der zum großen Teil von den Teilnehmern privat finanzierten Reise.
Wir möchten Ihnen hier unsere Eindrücke schildern, natürlich auch mit ganz persönlichen Sichtweisen. Vieles kann nur angerissen werden, Fachgespräche in einer sozialen Einrichtung, einer Schule, bei der Polizei und Justiz im Parlament, an einer Hochschule, mit Geistlichen, mit Hafenexperten, mit Umwelt- und Landwirtschaftsfachleuten seien hier nur aufzuzählen.

Immer in Verteidigungsbereitschaft
An der israelisch-libanesischen Grenze informierte Major Arye Sharuz Shalicar, Pressesprecher der israelischen Armee, über die Sicherheitslage. Im Libanon dominiert die schiitische Hisbollah, kontrolliert vom Iran, die ca. 20.000 radikalisierte Kämpfer aufbieten kann. Jederzeit ist mit massiven Raketenangriffen und dem Eindringen bewaffneter Extremisten nach Israel zu rechnen. Vor diesem Hintergrund ist die große Wachsamkeit Israels nachvollziehbar. Der Militärsprecher (wegen  Anfeindungen durch radikale Muslime vor mehr als 12 Jahren aus Deutschland emigriert) ist sich angesichts der Bedrohungslage und der Übermacht der Feinde Israels ganz sicher: „Wir dürfen nicht verlieren!“ Er spielte damit an auf die israelische Geschichte und die Lage im Nahen Osten. Mit im Bild Dr. Yazid Shammout, Vorsitzender der palästinensischen Gemeinde in Niedersachsen, der die Delegation begleitete. Der Major machte das Dilemmer der israelischen Streitkräfte deutlich: Wenn diese auf, aus Wohngebieten verübte Raketenanschläge antworteten, so kämen oft die Zivilisten zu Schaden, hinter denen sich die Attentäter versteckten. Er verwies auf ein Jahrzehnte altes Zitat der damaligen Ministerpräsidentin Golda Meir, die – sinngemäß - gesagt hatte: „Wir werden Euch irgendwann vergeben, dass Ihr unsere Kinder getötet habt. Niemals werden wir Euch vergeben, dass Ihr uns gezwungen habt, Eure Kinder zu töten.“

Die Geburtskirche in Bethlehem – Ort der Geburt Christi
In der Geburtskirche in Bethlehem, zu großen Teilen von der griechisch-orthodoxen Kirche verwaltet, befindet sich in einer kleinen Grotte nach christlicher Überlieferung der Geburtsort Jesu. Tausende von Gläubigen pilgern jedes Jahr hierher, um diesen für sie wichtigen Ort zu besuchen – ein in der Tat beeindruckendes Erlebnis. Einer der Höhepunkte unserer Reise war die Zusammenkunft mit Erzbischof Atallah Hanna, griechisch-orthodoxer Patriarch in Jerusalem.

Jerusalem – heilige Stadt für drei Weltreligionen
Jerusalem ist für die drei monotheistischen Weltreligionen Islam, Judentum und Christentum von besonderer Bedeutung. Dieses Bild zeigt den Tempelberg in Jerusalem, wo bis zu seiner Zerstörung durch die Römer der große und zentrale Tempel der Juden stand. Heute stehen dort die Al-Aksa Moschee und der Felsendom (nach Mekka und Medina drittwichtigste religiöse Stätte des Islam). Die Westmauer des Tempelberges ist gleichzeitig das höchste Heiligtum der Juden: Die Klagemauer. In unmittelbarer Nähe liegen prominente christliche Orte, bspw. die evangelische Erlöserkirche oder die griechisch-orthodoxe Grabeskirche, wo nach der Überlieferung Jesus Christus gekreuzigt bzw. begraben worden ist. Im nur 8 km südlich gelegenen Bethlehem befindet sich die Geburtskirche. Bei dieser Ballung religiöser Zentren ist es kein Wunder, dass es zu häufigen Spannungen zwischen den Religionen kommt.

Christliche Stätten am See Genezareth
Die christlichen Stätten inmitten der wunderschönen Landschaft am idyllischen See Genezareth ermöglichen einen intensiven Einblick in die Entstehung des Christentums. Bspw. der Berg der Seligpreisung, Kapernaum oder der Ort der Brotvermehrung direkt am See Genezareth – hier wurden Erinnerungen an den Religions- und Geschichtsunterricht lebendig.

Der Jordan – Lebensgrundlage für viele Israelis und Palästinenser
Der Oberlauf des Jordan, hier nur ein kleiner Fluss, inmitten einer idyllischen Landschaft. Der Jordan und seine Nebenflüsse bilden die Grundlage für die Landwirtschaft einer ganzen Region. Durch die immer intensiver werdende Bewässerung gelangt kaum noch Wasser in das Tote Meer, welches durch die hohe Verdunstung deutlich sichtbar an Fläche verliert, die Strandlinie geht pro Jahr um ca. einen Meter zurück. Inzwischen wird angestrengt überlegt, wie man diese Situation bewältigen kann. So wird bspw. auch über eine Salzwasserpipeline vom Mittelmeer her nachgedacht. Ob das allerdings die Lösung ist, ist fraglich. Alternativen beschäftigen sich damit, durch Ausbau der Meerwasserentsalzung am Mittelmeer zu einer Entlastung zu kommen. Außerdem gibt es interessante Varianten zur Brauchwasserbereitung und –verwendung.

Yad Vashem – Gedenkstätte für 6 Millionen ermordete Juden
Ein besonders beeindruckender und bedrückender Teil der Reise unserer Fraktion war der Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Hier wird in einer sehr beeindruckenden Anlage der 6 Millionen ermordeten Juden gedacht. Nach einer Kranzniederlegung durch Fraktionschef Björn Thümler besichtigten wir die verschiedenen Bereiche der Gedenkstätte, unter anderem die für die 1,5 Millionen ermordeten Kinder und die der jüdischen Widerstandskämpfer – beeindruckend und bedrückend zugleich. Im sogenannten Tal der Gemeinden versammelten wir und ebenfalls zu einer Gedenkzeremonie, Landtagspräsident Bernd Busemann würdigte die Opfer in einer kurzen Ansprache und erinnerte an die zahlreichen niedersächsischen Orte, in denen jüdisches Gemeindeleben ausgelöscht wurde. Das Bild zeigt hier auch Wolfenbüttel, wo es bis zur Gewaltherrschaft der Nazis eine lebendige jüdische Gemeinde gegeben hatte. Die Inschrift für die jüdische Gemeinde in Seesen haben wir nicht gefunden.

Während die ganze Fahrt über in den beiden Bussen der Reisegesellschaft eine muntere Stimmung herrschte, so war es nach der Abreise aus Yad Vashem deutlich anders. Die Betroffenheit und Nachdenklichkeit der Teilnehmer war geradezu greifbar, kaum ein Wort war zu hören.

Israel und Palästina – die Konflikte sind greifbar
Nicht nur die Grenze zwischen Israel und dem Westjordanland, ganz Palästina ist durchzogen von Sperranlagen, Mauern und Stacheldraht. Überall sind die aktuellen Konflikte greifbar. Bewaffnete an vielen Orten prägen das Bild. Hier wird deutlich, wie tief die Konflikte das tägliche Leben beeinflussen und wie brisant die aktuelle Situation ist. Ob Palästinenser oder Israelis: Auf beiden Seiten sieht man der Zukunft im Augenblick sorgenvoll entgegen. Wenn man wie wir, als Besucher durch Jerusalem geht und mit jüdischen Kindern spricht oder in Palästina palästinensische Kinder trifft - sie unterscheiden sich eigentlich nicht. Kaum vorstellbar, dass sie sich vielleicht mit der Waffe in der Hand gegenüberstehen können. Auch innenpolitisch ist die Lage angespannt, wie die Auseinandersetzungen mit Siedlern und orthodoxen Juden oder die aktuellen Proteste äthiopischer Juden zeigen.

Vor meinem Start nach Israel, in dem für die Christen Heiligen Land, war ich mit vielen Fragen behaftet. Nach meiner Reise kann ich sagen, ich habe sehr viel gesehen, erlebt und gelernt. Israel und die Palästinensischen Gebiete ist ein faszinierendes Land. Für mich gilt, wie für viele andere auch, ich bin nach wie vor verwirrt von den vielen Eindrücken aber noch komplizierter als es vorher der Fall war. Wichtig erscheint mir die Stimmung, die man dort an den heiligen Stätten mitnimmt zu bewahren und davon zu zehren.

Ich werde bald wieder nach Israel fahren.

Rudolf Götz
09.06.2015, 13:48 Uhr